Wolfenstein: Youngblood

Wolfenstein: Youngblood

Publisher: Bethesda
Entwicklerstudio: MachineGames
Genre: Action Shooter
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 26.07.2019
USK 18

Wolfenstein: Youngblood   27.09.2019 von Xthonios

Wolfenstein? Wolfenstein! Nazis zerschmettern, erschießen, in die Luft sprengen und in blutige Fleischklumpen verwandeln? Wie kann man sowas nicht lieben! Mit Wolfenstein: Young Blood erscheint Bethesdas neuestes Spiel, in dem wir wieder Nationalsozialisten massakrieren dürfen. Aber reicht das Thema allein, um ein gutes Spiel zu machen?

 

Die Geschichte

 

Wolfenstein: Youngblood spielt 1980, 19 Jahre nachdem unser allseits beliebter Protagonist BJ Blazkowicz die zweite amerikanische Revolution entfacht hatte. In all der Zeit hat es sich unser Held zur Aufgabe gemacht, sich zurückzuziehen und zwei Töchter auf die Welt zu bringen, die tagtäglich für ihren Kampf gegen Nazis trainiert werden. Doch eines Tages wird das idyllische Familienleben durch die Abreise des Familienvaters getrübt. Und als einige Tage später ein Militärhubschrauber mit der Kunde vom spurlosen Verschwinden des amerikanischen Helden überbringt, da ist den beiden Zwillingstöchtern Jess und Soph sofort klar, dass sie sich auf die Suche nach ihrem vermissten Dad machen müssen. Also auf ins von den Nazis besetzten Paris.

 

Lasst die Spiele beginnen

 

Das Spiel beginnt mit einigen netten Rückblicken und der Erzählung, was sich so verändert hat. Nach einigen Minuten startet dann auch das Tutorial, bei dem der Spieler (oder SPOILER: KOOP MODUS) an Bord eines Zeppelins gebracht wird, um einen feindlichen General zu beseitigen. Im Zuge der Einleitung bekommt man die Mechaniken eingetrichtert, wie man die Protagonisten so zu spielen hat. Wie wechselt man Waffen, worauf zu achten ist, Nahkampf bzw. Nazis lautlos meucheln und dass man an einigen Stellen gibt, an denen man beide Schwestern benötigt. Generell wird einem vermittelt, dass das Spiel deutlich schneller und agiler gespielt werden kann / soll, so als wären hier die Einflüsse von Doom ins Spielprinzip mit eingeflossen. Man kann springen, ein Schritt zur Seite machen (optional zu erlernen) und in Deckung springen. Na gut, das mit der Deckung ist eher nur rudimentär möglich, da es kein echtes Deckungssystem gibt. Aber bei all den dynamischen Elementen, krankt der Spielfluss vor allem an der Bewegung. Die Bewegungen wirken oftmals so, als wenn man nur in vier statt wirklich in alle Richtungen laufen kann. Aber auch die Gegner verhindern in gewisser Weise, dass man ähnlich wie in Doom wirklich agil durch ein Level kommt.

 

So besitzen Gegner gelegentlich Schilde, die nur mit den entsprechenden Waffentypen beseitigt werden können; ansonsten verballert man unendlich Munition und sollte der Spieler mal „sterben“, so kann der zweite Spieler (Koop) oder der NPC den Spieler wieder aufheben. Blöd ist natürlich, wenn dann der NPC am Boden kriecht und man selbst eigentlich schon weiter will.

 

Ebenfalls NEU sind die Rüstungen, die die beiden Schwestern tragen. Dies sind ganz besondere Panzerungen, die neben einer aktiven Tarnschutzvorrichtung auch mehr Stärke und Geschwindigkeit bieten. Eine weitere etwas ungewohnte Option, ist das gegenseitige Hochstacheln oder Teenie-Gesten-Gehabe der Schwestern. So kann man mithilfe von Gesten (Daumen hoch, Roboter-Move oder Ähnlichem) z.B. sich respektive dem Team die Rüstung auf 100% bringen oder auch das Leben auffüllen oder sogar erhöhen temporär. Ein wenig kann man dies mit einem Haufen Adrenalin und Blutrausch vergleichen, wenn das Schwesternpaar sich die Nazis ballert. Das macht anfänglich Spaß (und wirkt lustig), wird aber im Laufe der Geschichte mehr zu einer Nebensächlichkeit.

 

Das ist aber auch ein essentieller Unterschied zu den anderen Spielen. Keine Frage Youngblood beschädigt nicht das Image des Wolfenstein Franchise, allerdings leidet die Coolness der anderen Titel an dem etwas fehlenden Charme. Auch die von BJ gewohnt lässigen Sprüche werden bei dem Schwesternpaar auf Dauer nervig.

 

Auch die Schießereien als Solches fühlen sich trotz einer durchaus beeindruckenden Auswahl an Waffen nicht wie so richtig wie ein episches Gemetzel an. Das bereits erwähnte fehlende intuitive Deckungssystem und die etwas ruppige Steuerung gesellen sich zu einer recht einfach strukturierten KI, die sich oftmals stur auf den Spieler zubewegt, um Kugel um Kugel zu fressen, bis sie umfällt. Mit der Zeit verliert sich so der Hochgenuss gegen allerlei Arten von Nazikommandanten und rüstungsbepackte Soldaten in eine Art langweiliges Geballere.

 

Ein neuer Aspekt ist der Absprung von zielstrebigen Schlauchtunneln hin zu einer Art Einsatzbasis, Nebenmissionen und jede Menge versteckten Orten. In den Missionen findet man jede Menge Zeug und Währungen, die man natürlich verwenden kann, um sich selbst oder auch die Waffen, die man findet, aufzuwerfen. Das Tolle daran ist, dass man nicht erst in die Basis zurückkehren muss, das ist quasi jederzeit on-the-fly möglich. Die in der Basis optionalen Nebenmissionen bieten so einen Anreiz, dass man dort eben auch Gegenstände oder große Mengen an Materialien für das Aufwerten findet. Ein weiterer kleiner Pluspunkt ist, dass der NPC einen auch mitteilt, wenn man in ein Gebiet einkehrt, welches möglicherweise zu hoch für den momentanen Level ist. Ja Ihr habt richtig gehört, denn natürlich bekommt man beim Hinrichten dieses Packs Erfahrungspunkte, sodass man aufsteigt und neue Fähigkeitspunkte verteilen kann. Man kann dies ein wenig als Rollenspielelemente a la Borderlands oder The Division verstehen, aber eben doch nicht gleichwertig. Die Nebenmissionen sind oftmals zu einfach oder vermitteln einen Eindruck der Lieblosigkeit.

 

Bildergalerie von Wolfenstein: Youngblood (7 Bilder)

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Schauen wir uns die Welt an

 

Grafisch sieht der neueste Teil definitiv gut aus. Es kracht, es scheppert, man kann sich viele Details anschauen. Hier macht es nach der Säuberung auch Spaß, sich einmal in der Gegend umzuschauen und nach den zahlreichen Sammelobjekten zu suchen. Was wir ein wenig enttäuschend finden, ist der Soundtrack des Spiels. Oder genauer gesagt, die fehlende Musik. Wenn man allein unterwegs ist, bekommt man (leider) die auf Dauer nicht mehr lustigen Dialoge der Schwestern, die nach Verstärkung kreischenden Kommandanten und das Röcheln von zerfetzten Körpern serviert. Die großartigen Songs aus den ersten Teilen reduzieren sich auf bereits bekannte Songs und ansonsten hört man nur leichte Umgebungsgeräusche.

 

Alles in allem ist das Spielerlebnis eher also mittelmäßig anzusehen, was wirklich schade ist. Es gibt eine grandiose Vielfalt an Waffen, zahlreiche Upgrade-Möglichkeiten, Sammelobjekte und Unmengen von Nazis zu töten. Allerdings fehlen der Charme, ein durchdachtes Kampfsystem und eine bessere KI, um das Spiel in ein Kultstatus zu heben.

 

Last, but not least

 

Eine Neuerung gibt es noch, die vor allem Spieler der Deluxe Edition (inkl. dem Buddy Pack) begeistern wird. Denn mit diesem Buddy Pack habt Ihr die Möglichkeit, einen beliebigen Freund in den Koop-Modus einzuladen, selbst wenn er das Spiel nicht erworben hat. Hierzu muss sich der Spieler lediglich die Testversion herunterladen und kann dann mit dem Besitzer des Buddy Packs das komplette Spiel erleben. Das finden wir wirklich eine ziemlich geniale Idee und wertet das Spiel von unserer Seite auf jeden Fall auf.


Das Fazit von: Xthonios

Xthonios

Mit Wolfenstein Youngblood gelingt MachineGames nur bedingt einen würdigen Nachfolger / Spin-off des Wolfenstein Franchises. Keine Frage, Nazis töten macht auch hier Spaß, aber das Spiel kann sich nicht entscheiden, ob es ein dynamisches Doom Gameplay oder ein klassisches Wolfenstein sein möchte. Auch die immer wiederholenden Sprüche hinterlassen auf Dauer einen genervten Eindruck. Das Buddypack ist eine ziemlich geniale Neuerung und bekommt von uns definitiv ein Daumen hoch. Alles in allem, wer Wolfenstein liebt, wird auch hier für den einen fairen Preis ein gutes Spiel bekommen. 


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Umfangreiches, dynamisches Fertigkeitensystem
  • Cooles Waffenarsenal mit Upgrade-Funktion
  • Jede Menge Gore
  • Deluxe Edition inkl. Buddy Pack
  • Fairer Kaufpreis
  • Gegner-KI nicht wirklich überzeugend
  • Missionsdesign auf Dauer sehr eintönig
  • Die Vorfreude weicht irgendwann der Langeweile
  • Kaum funktionierendes Deckungssystem
  • Etwas haklige Steuerung
  • Geschichte des Spiels bleibt hinter den Vorgängern zurück





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