The Walking Dead Definitive Series

The Walking Dead Definitive Series

Publisher: Skybound
Entwicklerstudio: Telltale Games
Genre: Adventure
Sub-Genre: Point and Click
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 10.09.2019
USK 18

The Walking Dead Definitive Series   28.09.2019 von LorD Avenger

Im Frühling 2012 veröffentlichte Telltale die erste Episode ihrer The Walking Dead-Serie, die nun mit vier Teilen, einem Spin-Off sowie einem DLC abgeschlossen ist. Die Definitive Series enthält erstmals die gesamte Geschichte in einem...

 

Inhalt

 

Die vierteilige Serie von Telltale, die wiederum in 4-5 ursprünglich separat erschienene Episoden untergliedert ist, erzählt die Geschichte des Mädchens Clementine. Im Rahmen der ausbrechenden Zombie-Apokalypse verliert sie beide Eltern und kommt geradeso mit dem Leben davon, indem sie sich versteckt. Ebenfalls alleine und auf sich gestellt findet der eigentlich wegen Mordes verurteilte Lee sie und nimmt sie unter seine Fittiche. Die beiden schließen sich einer größeren Gruppe an, lernen aber auch dort, dass jeder Tag ein blutiger Kampf ums Überleben ist. Der Großteil der Menschheit hat sich bereits in instinktgetriebene fleischfressende Monster verwandelt und sichere Orte gibt es nicht mehr. Gefährten kommen und gehen, Freund- und Liebschaften führen früher oder später zu Leid oder Verrat. In einer Zombie-Apokalypse sind in der Regel schließlich selten die Untoten die größte Bedrohung.

 

Clementine klammert sich aber verbissen ans Leben, lernt schnell und kämpft sich durch. Resultierend aus dem verhängnisvollen Schicksal einer weiteren Gruppe, der sie sich anschließt, fällt der Neugeborene A.J. in ihre Verantwortung und fortan hat ihr Leben einen weiteren Fokus gewonnen anstelle einfach nur zu überleben. Doch auf ein kleines Kind aufzupassen und es zu versorgen, so pflegeleicht und gelehrig es auch sein mag, birgt völlig neue Risiken und Gefahren...

 

Neben einigen Gastauftritten von aus der TV-Serie, bzw. aus den Comics allzu bekannten Charakteren (z.B. Glenn oder Jesus) bekommt auch die Katana schwingende Michonne ihre eigene, drei-teilige Mini-Serie, die eine von der Hauptserie unabhängige Geschichte erzählt. Was zunächst nach einer Vorgeschichte des Charakters aussieht, spielt tatsächlich nach Ausgabe 126, bzw. nach dem Ende von Staffel 8, als sich Michonne von Rick und dessen Gruppe abwendet. Sie findet eine neue Heimat auf einem Segelschiff, dessen Crew sie bereitwillig aufnimmt. Auf der Suche nach Vorräten werden sie allerdings von einer feindlichen Gruppe gefangen genommen und verhört. Die Anführerin scheint nicht auf ein unblutiges Ende aus zu sein...

 

Unglaublicherweise ist es tatsächlich bereits mehr als sieben Jahre her, dass ich erstmals mit Lee und Clementine auf eine Reise durch meine liebste Form der Apokalypse gestartet bin und bis heute ist mir die Telltale-Variante von The Walking Dead als beste und emotionalste Geschichte in Erinnerung geblieben, die ich je im Rahmen eines Videospiels erleben durfte. Das Ende von Season 1 ließ mich wie ein Baby flennend zurück und auch Season 2 traf dahingehend voll ins Schwarze. Ähnlich wie auch die TV-Serie oder eben die Comics, an denen sich die Spiele eher orientieren, ist die Handlung äußert grausam und beendet die Laufbahn eines mühevoll etablierten, lieb gewonnenen Charakters mit nur einem Wimpernschlag. Schicksale nehmen nur allzu schnell eine verheerende und schockierende Wendung, die in erster Linie so viel Wirkung zeigt, weil die Charaktere so verdammt gut geschrieben sind und man sich wirklich in die Story einlebt. Das Erlebnis wird noch einmal intensiver dadurch, dass das Telltale-typische Spielprinzip vom Spieler erfordert unter Zeitdruck wichtige Entscheidungen zu treffen, die nicht selten über Leben oder Tod entscheiden.

 

Gameplay

 

Spielerisch sind die Telltale-Spiele alles andere als anspruchsvoll und konzentrieren sich lieber auf das Erzählen einer guten Geschichte. Im Point and Click-Stil bewegt man sich durch äußerst beschränkte Umgebungen und interagiert mit einer sehr übersichtlichen Zahl von Gegenständen oder Personen. In Dialogen muss man innerhalb der ablaufenden Zeit aus einer von vier Optionen wählen, wobei eine davon stets Schweigen bedeutet. Je nach der getroffenen Wahl verändern sich die Beziehungen zwischen den Charakteren und können dadurch auch andere Auswirkungen mit sich ziehen. Ebenso unter Zeitdruck müssen Entscheidungen in Action-Sequenzen getroffen werden, beispielsweise welchem in der Klemme steckendem Charakter man zur Hilfe eilen möchte - meistens mit dem Resultat, dass der andere nicht überlebt. Darüber hinaus versucht man das meist nur aus Zusehen bestehende Spielgeschehen mit Quick Time Events aufzulockern, in denen man schnell eine bestimmte Taste oder Richtung drücken muss oder z.B. zum Aufbrechen einer Tür mehrfach auf dieselbe Taste einhämmert, um einen Balken zu füllen. In Action-Sequenzen kann es auch zum Schieß-Minispiel kommen, in dem man mit dem Cursor die dafür vorgesehenen Kreise erwischen und abdrücken muss, um seine Pistole abzufeuern. Im Nachgang jeder Episode werden die getroffenen Entscheidungen prozentual mit denen der gesamten Spielerschaft verglichen und angezeigt.

 

Einen kleinen Wechsel im Gameplay bemerkt man in der finalen Season, wo man dem Spieler offenkundig etwas mehr Freiheiten einräumen wollte. Anstelle von äußerst eingeschränkten Umgebungen, in denen man sich meist nur in eine Richtung und wieder zurückbewegen konnte, gibt es nun Abschnitte, die zwar nicht übermäßig weitläufig ausfallen, in denen man sich aber dennoch in klassischer Third Person-Manier frei bewegen kann. Dadurch ändert sich stellenweise auch das Kampfsystem gegenüber den Zombies, um die man nun herumtanzen kann und die nicht mehr in einer vorgefertigten Sequenz mit Quick Time Events ausgeschaltet werden müssen, sondern durch das direkte Angreifen per Knopfdruck - entweder direkt mit einem Todesstoß oder durch vorheriges Angreifen der Beine. Damit geht allerdings auch die neue spielerische Herausforderung einher, dass man auf die Position sämtlicher Gegner achten muss, denn weitere Zombies können Clementine angreifen, während diese noch schutzlos mit einem anderen Untoten kämpft - dann heißt es schon mal schneller und öfter als einem lieb ist "Game Over". Ein weiterer zweifelhafter Mehrwert der offeneren Umgebung sowie freieren Bewegung sind Sammelsachen, die im eigenen Zimmer ausgestellt werden können. Ob das die Spielerschaft gebraucht hat, darf gerne jeder für sich entscheiden.

 

Bildergalerie von The Walking Dead Definitive Series (15 Bilder)

Grafik

 

Da sich Telltale in diesem sowie in anderen Fällen (The Wolf Among Us z.B.) bevorzugt an Comics orientiert, war die Wahl des Celshading-Looks optimal für die Spieleschmiede. Obgleich alles sehr gezeichnet aussieht, ist es doch dreidimensional und frei steuerbar. Der Look ist wirklich schön und orientiert sich natürlich an erwachseneren Comics, die die blutige und ernsthafte Geschichte gut kommunizieren können. Allerdings haben die Entwickler sich davon auch ziemlich einschränken lassen, denn letztlich wirkt vieles einfach unheimlich steif. Kleidung klebt wie festes Plastik völlig unbeweglich am Körper, dasselbe gilt für die Frisuren, die ebenso aus bemaltem Beton gegossen sein könnten. Selbst die Bewegungen von Fahrzeugen oder Laufanimationen der Figuren wirken sehr unnatürlich und ebenfalls bei der für die Charakterentwicklung so wichtigen Mimik vergisst man die von Pixar-Leuten als äußerst wichtig dargestellte Regel, nicht einfach ohne Übergangsphase den Gesichtsausdruck zu wechseln. Sogar in den ernstesten Szenen bringen die plötzlichen Ausdruckswechsel einen unweigerlich zum Lachen und reißen einen so leider schon ein wenig aus der herrschen Atmosphäre heraus.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Die Definitive Series von Telltales The Walking Dead ist schon alleine für die erste Season absolut lohnenswert - für mich nach wie vor mit die allerbeste und berührendste Geschichte in einem Videospiel. Die folgenden Seasons sowie zusätzlichen Inhalte sind mal besser und mal weniger gelungen, alles in allem erzählen sie aber immer eine spannende Geschichte mit wirklich tollen Charakteren. Man merkt schnell, dass die zu treffenden Entscheidungen eher selten wirklich weitreichende Folgen haben, dennoch verbinden sie einen deutlich mehr mit den Figuren und lassen einen stellenweise durchaus auch etwas über die eigene Psyche lernen. Von der Story alleine können die Spiele aber auch nicht leben und der Rest ist leider deutlich weniger gelungen - der 2012 noch so markante und eindrucksvolle Celshading-Look ist nach dem x-ten Telltale-Spiel und anderen Games wie Borderlands inzwischen nichts Besonderes mehr und zeigt eher die daraus resultierenden Mängel auf und spielerisch ist The Walking Dead weder sonderlich anspruchsvoll, noch besonders unterhaltsam - man hat gerade mal die nötigsten Funktionen eingebaut, um den Animationsfilm doch noch als Spiel verkaufen zu können. Trotz allem eine tolle Reihe, die zumindest Fans guter Geschichten begeistern wird.


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positiv negativ
  • Großartige, emotionale Geschichte mit vielen Überraschungen
  • Intensive Charakterbindung
  • Individualisiertes Spielen durch eigene Entscheidungen und Dialogoptionen
  • Mit 4 Seasons, einer Mini-Serie und einem DLC eine gewaltige Menge an Spielzeit
  • Die lästigen Episodenrückblicke sind weiterhin enthalten und können nicht übersprungen werden
  • Das Gameplay tut nur das Nötigste und ist äußerst anspruchslos
  • Getroffene Entscheidungen sind meist nicht sonderlich weitreichend (keine alternativen Enden z.B.)
  • Grafik sehr simpel gehalten, viele Animationen wirken eher unnatürlich





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