Trüberbrook

Trüberbrook

Publisher: Headup Games
Entwicklerstudio: btf
Genre: Adventure
Sub-Genre: Point & Click
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 12.03.2019
USK 6

Trüberbrook   17.07.2019 von VanTom

Jeder sollte einmal Urlaub machen, vor allem wenn er einen Luxusurlaub bei einem Preisrätsel gewonnen hat. Dies denkt sich auch der Quantenphysiker Hans Tannhauser im Point & Click Adventure Trüberbrook. 60er-Jahre-Antropologe VanTom hat sich den Titel nun auch einmal angesehen und spricht von seinen Erfahrungen in dem beschaulichen Ort...

 

Dabei wird der Spieler nach dem Start von Trüberbrook direkt mit einem Menü im Postkarten-Stil empfangen. „Come and visit Trüberbrook for a perfect summer vacation“ steht dort geschrieben. Man soll den Ort also für den perfekten Sommerurlaub besuchen. Daneben liegt eine alte Deutsche Mark-Münze mit der Prägung von 1967. Wie schon angekündigt, sind wir also in den 60er Jahren des letztens Jahrhunderts unterwegs. Das Menü birgt außer dem Kindermodus keine besonderen Überraschungen. Hinter dem Kindermodus versteckt sich aber nun nicht ein besonderer Schwierigkeitsgrad, sondern viel mehr kann damit eingestellt werden, dass in dem Spiel nicht geraucht wird. Für die Jüngeren unter euch: Dies war damals sehr verbreitet und man soll die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Für den Spielbeginn kann der Spieler einen von drei Spielständen auswählen. Das Spiel speichert automatisch, so dass es keine Möglichkeit zum manuellen Speichern gibt. Anschließend findet sich der Spieler an einer verlassenen Tankstelle wieder und wird mit einer Motorradfahrerin und ihrem „Gefährt“ konfrontiert. Hier kann der Spieler schon mal einen Blick auf die interessante Grafik und das bekannte Point & Click-Prinzip werfen.

 

Nach dem kurzen Tutorial, welches der Spieler vor dem Spiel noch gar nicht einordnen kann, beginnt ein Intro in dem der amerikanische Held stilecht in einem VW-Bully zum Einsatzort reist. Dabei wird schnell deutlich, dass der malerische Ort Trüberbrook doch sehr einsam gelegen ist. Dieser Eindruck wird noch dadurch bestätigt, dass der Bus nur samstags fährt und das auch nur alle zwei Wochen. Sehr einladend wirkt auch das Angebot der lokalen Metzgerei. So finden sich neben so bekannten Fleischprodukten, wie Stippkrütze und Potthucke. auch Tote Oma. Da bekommt man beim Spielen doch direkt Hunger. Zum Glück findet sich eine Hotspot-Anzeige, welche dem Spieler hilft, solch relevante Punkte in den einzelnen Szenen

 

In den verschiedenen Szenen des Spiels sind Punkte oder Spots versteckt, auf die der Spieler klicken kann. Dabei erhält er eine Auswahl von vier unterschiedlichen Aktionen. So erhält der Spieler über das Lupen-Symbol Informationen über das betrachtete Objekt. Das Zeigefinger-Symbol kann genutzt werden um ein einzelnes Objekt zu nehmen oder zu benutzen. Mit dem Sprechblasen-Symbol kann ein sprechfähiges Objekt angesprochen werden, beispielsweise eine verschlossene Türe oder natürlich eine Person. Mit dem Zahnrad-Symbol kann das ausgewählte Objekt mit einem Objekt aus dem Inventar benutzt werden. Der Spieler hat also keinen direkten Einfluss auf das Inventar, sondern kann sich die Objekte nur ansehen. Entscheidend für die Benutzung ist das Objekt in der Spielszene. So kann beispielsweise ein Ersatzschlüssel in der Regenrinne gefunden werden. Dies geschieht über das Zeigefinger-Symbol auf die Regenrinne. Der Schlüssel fällt herunter und kann wieder mit dem Zeigefinger-Symbol aufgesammelt werden. Ab diesem Moment ist das Zahnrad-Symbol auf der verschlossenen Tür aktiv und der Ersatzschlüssel kann aus dem Kontextmenü ausgewählt und somit genutzt werden. Schon ist die Türe auf. Dies führt aber dazu, dass Objekte in den Szenen mehrfach betrachtet werden müssen, je nachdem ob Gegenstände gefunden wurden. Dabei werden meist auch nur die Gegenstände beim Zahnrad-Symbol angezeigt, welche Sinn ergeben könnten. Eine Ausnahme bildet das Diktiergerät, welches unser junger Forscher mit sich führt. Hier wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass in vielen Adventures die Helden mit sich selber reden, was im realen Leben einen merkwürdigen Eindruck hinterlassen würde. Aus diesem Grund trägt der gute Tannhauser auch ein Diktiergerät mit sich, bei dem er zu verschiedenen Gelegenheiten eine Nachricht für Beverly aufzeichnet. Dabei handelt es sich Eindeutig um eine Hommage an die Mystery-Serie Twin Peaks von David Lynch. Eine weitere Referenz auf Twin Peaks findet sich in der eingangs erwähnten Tankstelle, als die weibliche Motorradfahrerin nichts mehr hasst als Kaffee und Kirschkuchen. Das genaue Gegenteil von Agent Cooper aus Twin Peaks. Es finden sich aber auch weitere Referenzen im Spiel. Beispielsweise antwortet Tannhause in manchen Gesprächen, dass er hochwertige Massagestäbe verkauft. Wieder mal eine Referenz auf das legendäre Adventure-Spiel Indiana Jones and the last Crusade. In diesem Spiel wollte Indi halt modische Lederjacken verkaufen. Bei Trüberbrook handelt es sich also im Kern um ein klassisches Point & Click-Adventure, welches aber im späteren Spielverlauf auch ein Schnellreise-System anbietet.

 

Bildergalerie von Trüberbrook (12 Bilder)

Was beim Spielen von Trüberbrook auch direkt auffällt, ist der ungewöhnliche und ungewohnte Grafikstil. Anstelle der Genre-typischen 2 D oder 2,5 D-Grafik, welche auf dem Rechner gezeichnet wird, wurden die Kulissen für dieses Spiel real mit der Hand als Modell aufgebaut und anschließend digitalisiert. Es gibt also zu jeder Szene im Spiel das entsprechende Modell. Auch die einzelnen Figuren machen eher den Eindruck, dass sie aus einem Zeichentrickfilm entsprungen sind. Dies sorgt für ein ganz eigenes räumliches Bild, was irgendwie auch einer schrägen Version der Augsburger Puppenkiste entsprungen sein könnte. Es wirkt alles sehr detailverliebt und gekonnt in Szene gesetzt. Es wird aber nicht nur der namensgebende Ort geboten. Tatsächlich betritt der Spieler ganz unterschiedliche Szenen. Aber vor allem die Illusion einer verschlafenen Gemeinde in den 60er Jahren gelingt. Dazu tragen auch die charmanten Spielfiguren, welche zum Großteil gut vertont sind. So treffen wir auf einen schrulligen alten Kauz, der ein Problem mit seinem Tisch hat oder auch auf die Besitzerin der Pension in die Tannhauser eincheckt. Alle haben einen eigenen Look und verströmen einen gewissen Charme. Dafür sorgen unter anderem die Stimmen von Jan Böhmermann und Nora Tschirner. Nora Tschirner wirkt zwar manchmal ein bisschen hektisch, aber dies mag ihrer Rolle geschuldet sein. Auch Jan Böhmermann hat eine enge Verbindung zum Spiel, da der Entwickler des Spiels die Macher von Böhmermann's Neo-Magazin Royale sind. Ebenfalls der Soundtrack weiß zu gefallen und erinnert ebenfalls sehr an Twin Peaks und verstärkt das Gefühl, dass in Trüberbrook irgendwas nicht stimmt.

 

Etwas enttäuschender sind die Rätsel im Spiel. Diese sind meist nicht sonderlich schwer, da die entsprechenden Objekte ja meist schon richtig angeboten werden. Leider gibt es aber oft keine Hilfe, was der Spieler genau als nächstes tun sollte. Aber wenn der Spieler alles mitnimmt und die richtigen Kombinationspunkte findet, klappt dies schon irgendwann. Die Rätseldichte ist in den ersten Kapiteln nicht so hoch, steigert sich aber zum Finale hin. Leider ist das Spiel aber schon innerhalb von 8-10 Stunden gelöst. Hier wäre ein wenig mehr für die Entwicklung der Geschichte deutlich angemessener gewesen. Die Geschichte ist aber trotzdem interessant und der Spieler will auch herausfinden, was in diesem Ort verborgen ist. Das Spiel ist nicht zu fordernd und bietet eine automatische Speicherfunktion. Alles in allem ist Trüberbrook ein Erlebnis, welches gerne von Adventurefreunden mitgenommen werden sollte. Hardcore Rätselfreunde könnte etwas enttäuscht sein, allen anderen ist aber ein Besuch im beschaulichen Trüberbrook empfohlen.


Das Fazit von: VanTom

VanTom

Trüberbrook kommt als Adventure der alten Schule mit einem recht ungewöhnlichen und neuen Look daher. Die Geschichte ist spannend erzählt, hätte aber gerne etwas länger sein können. Die Charaktere sind sehr charmant und die Umgebung sehr verrückt, mehr als einmal fasst sich der Spieler an den Kopf. Dabei spielt auch ein Massagestab im Spiel eine bedeutende Rolle. Die Rätsel hätten allerdings gerne etwas komplexer sein können. Alles in Allem ist es aber ein solides Spiel, was Spaß macht und zum Rätseln einlädt. Gerade der eigene Look und die schrägen Charaktere machen das Spiel zu etwas ganz Besonderen.


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