Fromage

Fromage

Genre: Gebietskontrolle • Arbeitereinsatz • Ressourcenmanagement
Autor: Matthew O'Malley, Ben Rosset
Illustrator: Pavel Zhovba
Spieleverlag: Road to Infamy Games, asmodee
Empfohlenes Alter: 14+ Jahre
Spieldauer: 40+ Minuten

Fromage   04.05.2026 von 2-PL4Y3R5

Eines muss man Fromage lassen: Das Thema ist alles andere als ausgelutscht. Es geht um Käse – und den kaut man ja für gewöhnlich. Unserer Meinung nach macht Käse einfach alles besser: italienische Pasta mit Parmesan, Pizza mit Käse im Rand, der Cheeseburger, der bereits nach seinem Käse-Zusatz benannt ist, Raclette und Fondue an Silvester oder die Käsespätzle aus der Heimat. Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage: Macht das Käse-Thema auch Fromage besser? Nun, Fromage ohne Käse-Thema ist schwer vorzustellen, denn selbst der Spielplan ist käserund und auf einem Drehteller drapiert. Bleiben wir also bei der einfacheren Frage: Hat uns Fromage Freude bereitet? Das erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Fromage wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, dementsprechend kursiert auch eine Deluxe-Ausgabe. Hier haben wir die Retail-Ausgabe vorliegen. Wie steht es dort um die Materialqualität? Besonders stechen die Käser hervor: Figuren aus Plastik, die auf den drei verschiedenen Käsesorten sitzen. Auch der Spielplan macht etwas her, ist er doch passend zum Käse-Thema rund und aus vier Spielplanteilen zusammengesetzt. Ein kleiner Kritikpunkt bezüglich der Ressourcen: In der Deluxe-Variante sind die Ressourcen (Gebäude, Früchte und Vieh) aus Holz, in der Retail-Variante sind diese Plättchen aus Pappe. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden, allerdings sind die Plättchen sehr klein und daher etwas schwierig zu greifen. Hier hätte man sie ruhig etwas größer gestalten können. Wir vermuten, die Größe ist der Anforderung geschuldet, dass die Ressourcen auf dem Tableau angeordnet werden müssen, besonders die Gebäude. Aber man hätte sicher eine Kompromisslösung finden können. Wenn wir uns also ein Upgrade aus der Deluxe-Ausgabe hätten wünschen können, wären es schönere Ressourcen gewesen, da man mit diesen im Spielverlauf auch sehr viel hantiert.

 

Schauen wir uns jetzt aber mal die Spielvorbereitung an. Zuerst wird der Spielplan zusammengebaut. Dazu wird in die vier Quadranten jeweils ein zur Spieleranzahl passender Spielplan-Einsatz eingeschoben. Dann werden die vier Spielplan-Teile zu dem käserunden Spielplan zusammengesetzt. Zuletzt kommt in die Mitte das Ressourcen-Zentrum. Sowohl Spielplan-Quadranten als auch Ressourcen-Zentrum werden in einer zufälligen Anordnung platziert. Die vier Spielplan-Teile zeigen jeweils ein eigenes kleines Minispiel mit Arbeiter-Einsatzfeldern. Außerdem gibt es auf jedem der Spielplan-Teile eine andere Ressource zu holen, und zwar nahe dem Zentrum des käserunden Spielplans auf dem Ressourcen-Zentrum-Plättchen. Eine Sache auf dem Spielplan fehlt noch: Im Städte-Quadranten werden die sechs Kundschaftsplättchen in zufälliger Anordnung ausgelegt.

 

Dann werden die Ressourcen-Vorräte bereitgestellt. Fromage kommt auch in der Retail-Edition mit zwei Ressourcen-Trays in Käsestück-Form, sodass jeder Spieler im Spielverlauf leicht an die Ressourcen herankommt. In Fromage gibt es vier Ressourcen: Früchte, Vieh, Gebäudeteile und Bestellungen. Früchte, Vieh und Gebäudeteile sind Plättchen; Bestellungen sind Karten, die gemischt und als verdeckter Stapel in die Trays gelegt werden.

 

Nun geht es an den persönlichen Spielbereich. Jeder Spieler nimmt sich ein Spielertableau. Es wird hauptsächlich zur Verwaltung der Ressourcen hergenommen: Oben landen die Gebäudeteile, in der Mitte das Vieh und unten die Früchte. Links vom Spielertableau gibt es Platz für Bestellungen, rechts davon werden dann bediente Bestellungen platziert. Als Startressourcen erhalten die Spieler zwei Ressourcen, die auf dem Quadranten links der eigenen Sitzposition abgebildet sind, und eine Ressource des Typs, der auf der gegenüberliegenden Seite dargestellt ist. Denn an diese Ressourcen kommt man erst in vier bzw. drei Spielrunden zum ersten Mal ran.

 

Zuletzt nimmt sich jeder Spieler drei Käser in der gewünschten Spielerfarbe – die Arbeiter in Fromage –, die auf die Käsebasen für Weichkäse (weiß), Hartkäse (gelb) und Blauschimmelkäse (blau) gesteckt werden. Außerdem erhält jeder Spieler insgesamt 15 Käsestücke, die im Spielverlauf durch die Käser auf dem Spielplan platziert werden, um sich Punkte in den vier Spielplan-Quadranten zu sichern.

 

Das Spielziel

 

In Fromage konkurrieren die Spieler in vier verschiedenen Minispielen, die auf den vier Quadranten des Spielplans abgebildet sind. Jedes Minispiel hat dabei unterschiedliche Bedingungen, um Punkte zu erzielen. In allen Fällen geht es um die Position eingesetzter Käsestücke. Am Spielende werden die Punkte zusammengezählt, die ein Spieler in allen vier Quadranten erzielt hat. Wofür es in den einzelnen Quadranten Siegpunkte gibt, schauen wir uns bei der Besprechung des Spielverlaufs an. Obendrauf kommen dann noch Punkte für Gebäude, Früchte und Bestellungen. Dabei gibt das oben rechts abgebildete Gebäude auf jedem Spielplan unter verschiedenen Voraussetzungen Siegpunkte, falls es im Spielverlauf gebaut wurde. Früchte geben Siegpunkte entsprechend der Anzahl an Marmeladen multipliziert mit der Anzahl an Erdbeeren, die man im Spielverlauf hergestellt hat. Und erfüllte Bestellungen bringen Siegpunkte entsprechend ihrer Anzahl, wie unten rechts auf dem Spielertableau angegeben. Zuletzt gibt es noch einen Siegpunkt für je zwei ungenutzte Ressourcen am Spielende. Alles ist also recht übersichtlich: Es gibt Punkte für die Minispiele und Punkte für clever verwaltete Ressourcen.

 

Der Spielablauf

 

In Fromage spielen alle Spieler gleichzeitig. Ein Spielerzug besteht darin, zuerst alle bereiten Arbeiter vom Spielplan zurückzunehmen und dann Arbeiter in dem Quadranten einzusetzen, der einem gerade zugewandt ist. Dabei darf jeweils maximal ein Arbeiter im Ressourcen-Bereich und einer im Minispiel-Bereich darunter platziert werden; niemals jedoch zwei Arbeiter in einen dieser Bereiche. Haben alle Spieler ihre Arbeiter eingesetzt, wird der Spielplan um 90° gedreht, sodass alle den jeweils nächsten Quadranten vor sich liegen haben – und weiter geht’s. Worauf ist beim Einsetzen eines Käsers zu achten? Jeder Käser sitzt auf einem anderen Käse (Gelb, Weiß oder Blau). Die Einsatzfelder geben genau vor, welcher Käse wo eingesetzt werden darf; sie sind entsprechend farblich markiert. Einige Felder zeigen auch ein Marmeladenglas oder eine Erdbeere. Hier darf man nur einen Käser einsetzen, wenn man eine Frucht auf seinem Spielertableau hat und diese dann „verbraucht“, indem man sie nach rechts in den Marmeladen- bzw. Erdbeer-Bereich schiebt.

 

Am wichtigsten für die Planung ist jedoch der Reifegrad des Käses, dargestellt durch die Richtung, in der die Spitze des Käsestücks zeigt: Rechts (Bronze), Oben (Silber) und Links (Gold). Je höher der Reifegrad, desto größer der Vorteil beim Einsatz des Käses. Allerdings muss man dann auch länger warten, bis man den Käser zurückerhält. Bei Bronze erhält man den Käser direkt zu Beginn des nächsten Zuges zurück, beim Silber-Reifegrad muss man einen Zug warten und beim Gold-Reifegrad sogar zwei Züge auf den entsprechenden Käser verzichten. Wie soll man sich das merken? Ganz einfach: Zeigt der Käse nach links (Gold), muss man den Spielplan dreimal drehen, bevor der Käse wieder auf den Spieler zeigt. Man muss also zu Beginn einer jeden Runde nur schauen, welche eigenen Käser gerade auf einen selbst zeigen – diese erhält man zurück.

 

An dieser Stelle seien auch die Bestellungskarten erklärt: Diese zeigen ebenfalls eine der drei Käsesorten zu einem der drei Reifegrade. Im Grunde gibt es also nur neun verschiedene Bestellungen. Sobald man einen Käser platziert, der die beiden Bedingungen einer Bestellung erfüllt, darf man diese sofort erledigen und verdeckt auf die andere Seite des Spielertableaus legen.

 

Beim Einsetzen eines Käsers im Ressourcen-Zentrum spielt die Farbe keine Rolle und es werden auch keine Früchte benötigt. Man kann sich entscheiden – falls alle Einsatzfelder frei sind –, ob man eine, zwei oder drei Ressourcen des entsprechenden Typs erhält, und bekommt den Arbeiter dann entsprechend nach einem, zwei oder erst drei Zügen wieder zurück.

 

Wird ein Käser in einen der Bereiche unter dem Ressourcen-Zentrum eingesetzt, erfolgt die Käseherstellung. Hier gestaltet sich der Arbeitereinsatz wie oben beschrieben etwas komplexer, da man zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Käser und ggf. Früchte parat haben muss. Hier werden die Käser auch nicht alleine eingesetzt; sie nehmen immer eines der 15 eigenen Käsestücke mit, das nach dem Zurückholen der Arbeiter auf dem Spielplan verbleibt und am Spielende entsprechend der Position gewertet wird.

 

Schauen wir uns die vier Minispiele an: Stadtfest, Fromagerie, Bistro und Städte. Thematisch geht es hier eigentlich gar nicht um die Käse-Herstellung, was wir interessanter gefunden hätten, sondern vielmehr um die Vermarktung auf unterschiedlichen Märkten. Wofür es wie viele Siegpunkte gibt, ist unten rechts in jedem Quadranten abgebildet.

 

Der Stadtfest-Quadrant zeigt ein Raster aus 5 x 5 Feldern. Dabei gibt es unter den Einsatzfeldern auch „Probierstationen“, auf denen kein Käse platziert werden kann. Man versucht, die Anzahl orthogonal benachbarter Felder mit eigenem Käse zu maximieren. Die Probierstationen zählen dabei als Joker für jeden Spieler. Der Vorteil von Käse mit höherem Reifegrad ist, dass daran automatisch Probierstationen angrenzen: Ein Gold-Käse hat immer zwei benachbarte Stationen und gibt dadurch bereits von alleine vier Punkte; ein Silber-Käse hat eine Probierstation benachbart.

 

In der Fromagerie gibt es sechs Regale mit je drei Feldern. Ziel ist es, Käse in so vielen verschiedenen Regalen wie möglich zu haben (maximal sechs für 20 Punkte). Zusätzlich gibt jedes Regal beim Einsetzen entweder Siegpunkte (1–3) oder Bonus-Ressourcen, wobei die Ausbeute mit höherem Reifegrad steigt.

 

Das Bistro zeigt 9 Tische mit je zwei Plätzen. Je höher der Reifegrad eines Käses, desto mehr Punkte gibt es am Ende. Die Punkte pro Käse lassen sich weiter erhöhen, indem man Pärchen sammelt, also zwei eigene Käse an denselben Tisch serviert. So gibt es ohne Pärchen für jeden Gold-Käse 4 Punkte, aber mit drei Pärchen ganze 9 Punkte pro Gold-Käse.

 

Beim Städte-Quadranten geht es um Mehrheiten. Spieler konkurrieren um die Kundschaftsplättchen, die zu Spielbeginn in den sechs verschiedenen Regionen der Landkarte verteilt wurden. Am Spielende wird für jede der sechs Regionen überprüft, wer die meisten Käsestücke angrenzend eingesetzt hat. Dieser Spieler bekommt dann Siegpunkte entsprechend des Wertes des Kundschaftsplättchens. Was ist der Vorteil von Käse mit höherem Reifegrad? Käse des Reifegrads Bronze grenzt nur an ein Gebiet an, Silber an zwei und Gold an drei Gebiete.

 

Neben den Früchten und Bestellungen gibt es noch das Vieh und die Gebäudeteile. Beides kann jederzeit im eigenen Zug verwendet werden. Für das Vieh gibt es insgesamt vier verschiedene Ställe auf dem Spielertableau. Hat man genau zwei, drei, vier oder fünf Vieh zur Verfügung, kann man damit den jeweiligen Stall füllen und ein extra Käsestück der abgebildeten Farbe und des abgebildeten Reifegrads auf dem aktuellen Quadranten platzieren. So kann man auch im selben Zug zwei Käse auf den Spielplan bringen. Mit den Gebäudeteilen verhält es sich ähnlich. Auf jedem Spielertableau gibt es Gebäude, die zur Fertigstellung zwei bis fünf Gebäudeteile benötigen. Sobald man die entsprechende Anzahl zusammen hat und auf das Gebäude legt, schaltet man die Fähigkeit darunter frei. Das können zusätzliche Arbeitereinsatzfelder, Siegpunkte zum Spielende oder Boni beim Einsatz der Käser in bestimmten Quadranten sein.

 

In Fromage spielen alle die gesamte Partie über gleichzeitig. Käser einsetzen, ggf. Ressourcen nehmen, Spielplan drehen, weiter geht’s – so lange, bis ein Spieler alle 15 Käsestücke auf dem Plan hat. Dann endet die Partie sofort und es folgt die Endwertung, für die es zum Glück einen Wertungsblock gibt.

 

 

Bildergalerie von Fromage (11 Bilder)

Spielmaterial

 

Allgemeines Spielmaterial:

  • 4 Spielplan-Quadranten
  • 12 Spielplan-Einsätze (3 für jeden Quadranten)
  • 1 Ressourcen-Zentrum (für die Spielplanmitte)
  • 6 Kundschaftsplättchen (für den Städte-Quadranten)
  • 1 Wertungsblock

 

Spieler-Material:

  • 4 Spieler-Tableaus
  • 12 Käser auf Käsebasen
  • 60 Käsestücke

 

Ressourcen:

  • 2 Ressourcen-Trays
  • 36 Bestellungen (Karten)
  • 36 Gebäudeteile
  • 36 Vieh
  • 36 Früchtchen
  • 8 3er/5er-Plättchen

 

Fortgeschrittener Modus:

  • 32 Gebäudeplättchen


Cover & Bilder © Cover: Road to Infamy/asmodee Deutschland / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: Es ist etwas weit hergeholt, aber irgendwie erinnerte uns Fromage an Mario Party und die gute alte Zeit als Teenager vor dem Nintendo 64 mit Freunden und Familie. Denn im Grunde besteht Fromage aus vier kleinen Minispielen, dargestellt auf den vier Quadranten des käserunden Spielplans. Die Spieler versuchen, in jedem Quadranten ihre Käse nach unterschiedlichen Regeln möglichst siegpunkte-maximierend zu platzieren. Dabei sieht sich jeder Spieler in jeder Runde mit nur einem der vier Quadranten konfrontiert, mit dem man in Partien zu viert erst wieder vier Runden später interagieren kann. Denn zwischen den Spielerzügen wird der Spielplan rotiert und das nächste Minispiel ist an der Reihe. Teilweise kann Fromage auch genauso gemein werden wie Mario Party damals. Nämlich dann, wenn Spieler heißbegehrte Positionen auf dem Spielplan blockieren, die dann für den Rest der gesamten Partie auch blockiert bleiben und die Chance auf Siegpunkte in einem der Minispiele damit komplett zunichte gemacht wurde. Ja, wenn wir genauer darüber nachdenken, ist es doch gar nicht so weit hergeholt, das Spielgefühl mit dem von Mario Party zu vergleichen. Der wesentliche Unterschied ist, dass es am Tisch mit Fromage in der Mitte etwas ruhiger dahergeht als damals auf der Couch vor dem Fernseher.

 

Balancing/Glücksfaktor: Glücksmomente gibt es eigentlich nur beim Ziehen der „Auftragskarten“, die Bestellungen heißen. Hier macht es einen Unterschied, ob man einen Käse mit Farbe und Reifegrad gezogen hat, wie man ihn sowieso platzieren wollte, oder ob man eine Kombination zieht, die eventuell gar nicht mehr auf dem Spielplan frei ist. Alles andere, was sich wie Glück anfühlen mag, fällt eher in die Kategorie Spielerinteraktion: wenn die Aktionen anderer Spieler die eigenen Möglichkeiten scheinbar willkürlich einschränken.

Im Gegensatz zum Glücksmoment bietet Fromage sehr viele strategische Möglichkeiten. Man kann niemals alles schaffen und sollte sich zu Spielbeginn überlegen, worauf man geht und das konstant durchziehen. Denn die meisten Punkte in einem Quadranten, für erfüllte Bestellungen, Früchte oder Gebäude, gibt es nur, wenn man viel im jeweiligen Bereich geschafft hat. Halbherzigkeit wird also bestraft. So hatte ein Spieler zwei Käse ins Bistro investiert, auf bronzenen Tabletts unterschiedlicher Tische serviert, und für diese beiden Käse null Punkte kassiert. Er hatte keine „Pärchen“ und eben nur Käse der niedrigsten Wertigkeit in diesem Bereich. Konzentriert man sich nicht auf einen Bereich, kann man also leicht ganz leer ausgehen. Es gibt auch weitere Beispiele abseits der vier Tableaus: Auftragskarten zu erfüllen gibt so richtig Punkte – ab der siebten vier Punkte pro Karte, während die erste Karte nur einen Punkt gibt. Käse mit Früchten herzustellen, wird ebenfalls stark belohnt: Konzentriert man sich darauf und stellt zehn Käse mit unterschiedlichen Früchten her, gibt es 5 x 5 = 25 Punkte. Für drei Frucht-Käse, ideal verteilt, gibt es aber nur 1 x 2 = 2 Punkte.

 

Komplexität/Regeln: Fromage ist ein seichtes Kennerspiel. Regeltechnisch ist es schnell gelernt und erklärt. Die Regel hat insgesamt 16 Seiten, wobei der Spielablauf etwa 9 Seiten einnimmt. Der riesige Zeilenabstand, die gute Struktur und die vielen Bilder sorgen dafür, dass eine Seite in nicht mal einer Minute gelesen ist. Inhaltlich ist sie damit extrem schnell durchgearbeitet; es dauert wirklich keine 15 Minuten.

Insgesamt würden wir Fromage aber auf keinen Fall als simpel bezeichnen wollen. Der Anspruch ergibt sich aus der Spielerinteraktion und dadurch, dass man ganz klar abwägen muss, worauf man geht. Außerdem sollte man versuchen, in jedem Zug gleich mehrere Ziele zu erfüllen – für gewöhnlich Punkte im entsprechenden Quadranten sichern, aber auch Ressourcen holen, die man für die nächsten drei Züge benötigt, denn an die gerade verfügbare Ressource kommt man erst vier Runden später wieder ran. Die vier kleinen Minispiele, in denen man mit den Mitspielern um die meisten Siegpunkte konkurriert, sind für sich genommen allerdings sehr simpel: Verteile deinen Käse auf verschiedene Regale (Fromagerie), bilde zusammenhängende Reihen (Stadtfest), platziere deinen Käse in Pärchen (Bistro) oder gewinne Mehrheiten in angrenzenden Gebieten (Städte).

Bei den Minispielen geht es aber auch darum, zum richtigen Zeitpunkt den passenden Käser zur Verfügung zu haben, um den entsprechenden Käse platzieren zu können. Für jedes Feld ist immer vorgegeben, ob weißer, gelber oder blauer Käse benötigt wird. Außerdem muss man evaluieren, wann der Käser zurückkommt, sodass man nicht in einem Zug ganz ohne „Arbeiter“ dasteht. Zu guter Letzt sollte man auch eine zu dem Käse passende Bestellung besitzen, die man dann erfüllen kann. Bestellungen geben nicht nur die Farbe des Käses vor, sondern auch den Reifegrad (1, 2 oder 3 Runden), die ebenfalls durch jedes Feld vorgegeben ist. Theoretisch kann man pro Zug eine Auftragskarte erfüllen, sodass diese am Spielende bis zu 20–30% der Gesamtpunkte ausmachen können. Die vier Bereiche sind aber nicht das einzige Puzzle, das es zu lösen gilt. Zusätzlich muss man noch schauen, dass man Ressourcen, d. h. sein persönliches Spielertableau, sinnvoll verwaltet. Denn auch hier verbergen sich eigene zu optimierende Minispiele, mit denen man nochmal Siegpunkte einheimsen kann: gleichmäßige Produktion von Frucht-Käse, Extra-Käse durch Vieh sowie Boni und Siegpunkte durch Gebäudebau.

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Worin liegt der Kern der Spielerinteraktion? Es geht um direkte Konkurrenz in den vier Quadranten des Spielplans. Jeder Quadrant zeigt Felder, die wegen ihrer Position, der Art des Käses (Farbe) oder seines Reifegrads (Richtung) interessant sein können. Meist wegen allen dreien, denn nur wenn alles passt, kann man gleichzeitig Punkte für den Quadranten sichern, eine Bestellung erfüllen und hat auch noch den passenden Käser zur Verfügung. Das heißt, es gibt meist nur ein ganz bestimmtes Feld, auf das man es absieht. Schnappt es ein Mitspieler weg, ist der ideale Zug zunichte gemacht. Will heißen: Es kann sogar Sinn machen, bei seinem rechten Nachbarn zu schauen, wo er seinen Käse setzt, um sicherzustellen, dass das entsprechende Feld frei ist, wenn man selbst dran ist. Theoretisch kann dies Probleme bereiten, denn man sollte ja eigentlich gleichzeitig spielen; bei uns gab es aber nie Probleme. Fairerweise sollte man einfach nicht schauen, was der Mitspieler macht, bis man selbst seinen Zug beendet hat.

Bezüglich Spielerinteraktion ist auch der Spielende-Trigger zu erwähnen: Der erste Spieler, der all seinen Käse platziert hat, beendet die Partie. Diese endet dann sofort. Der schnellste Spieler gibt also das Tempo vor. So sollte man sich überlegen, wie häufig man darauf verzichtet, seinen Käser mitsamt Käse einzusetzen und eventuell nur Ressourcen zu holen.

Wie spielt sich Fromage bei unterschiedlichen Spielerzahlen? Wir haben Fromage zu viert und zu zweit gespielt. Abhängig von der Spielerzahl werden Spielplan-Einsätze in die vier Quadranten geschoben, sodass bestimmte Käser-Einsatzfelder blockiert werden. Zuerst dachten wir, zu zweit würde Fromage nicht gut funktionieren. Durch die blockierten Felder ist die Dynamik eine etwas andere. So gibt es zu zweit zwei Felder auf jedem Regal in der Fromagerie; man kommt sich also nicht so sehr in die Quere wie bei den drei Feldern, die in Partien zu viert pro Regal zur Verfügung stehen. Und bei den Mehrheiten im Städte-Quadranten und auf dem Stadtfest muss man direkt zu Beginn der Partie stark überlegen, weil nicht sofort ersichtlich ist, wie man Mehrheiten oder Ketten generieren kann, wenn Felder zwischendrin blockiert sind. Am Ende fanden wir die Partie zu zweit trotzdem sehr gut. Etwas gewöhnungsbedürftig nach der Partie zu viert, aber trotzdem gut – gerade auch, weil sie so zackig runtergespielt war.

 

Spieldauer: Und damit wären wir bei der Spieldauer, dem größten Pluspunkt an Fromage. Die kurze Spieldauer ergibt sich daraus, dass alle Spieler gleichzeitig spielen, und zwar über das gesamte Spiel hinweg. Wirklich nichts wird nacheinander abgehandelt. Ich denke, das ist auch so ziemlich das Erste, was man über das Spiel erfährt, wenn man beginnt, sich dafür zu interessieren: der sich drehende Spielplan. Jeder Spieler führt Aktionen auf der ihm zugewandten Seite des Tableaus durch, bis alle durch sind und die Scheibe einen Sektor weitergedreht wird. Man kann Fromage also locker in unter einer Stunde spielen, unabhängig von der Spielerzahl. Zu zweit haben wir ca. 45 Minuten gebraucht, unsere Erstpartie zu viert hat etwa 75 Minuten gedauert; klar, Erstpartien dauern immer etwas länger und letztlich diktiert auch der langsamste Spieler die Spieldauer. Daher macht Fromage auch am meisten Spaß, wenn alle Spieler am Tisch etwa gleich lang für ihre Züge brauchen. Dann glänzt Fromage so richtig: Käser setzen, Ressourcen nehmen, alle fertig? Dann Rad drehen, weiter geht’s. Ein kleines Manko sehen wir allerdings bei der Spannungskurve. Gerade gegen Spielende sind viele Felder schon belegt und es kommt nicht selten vor, dass man nicht mehr so viel reißen kann, einfach weil die besten Plätze bereits belegt sind. Dann ist die Partie aber auch schnell vorüber, weil der erste Spieler all seinen Käse platziert hat, sodass es gegen Ende dann doch nicht droht, langweilig zu werden.

 

Wiederspielbarkeit: Der Wiederspielwert wird maßgeblich durch die Punktejagd getrieben. Fromage bietet vier Minispiele und das allübergreifende Ressourcenmanagement. Punkte gibt es am Spielende für die Performance in jedem der Quadranten. Da das so schön und eindeutig korreliert, macht die Punktejagd umso mehr Spaß, und man möchte in Folgepartien unbedingt seinen bisherigen Highscore knacken – insgesamt oder in einem der Quadranten.

Viel Variabilität zwischen den Partien gibt es allerdings nicht, aber ganz ohne Varianz kommt Fromage auch nicht daher. Zum einen ist die Reihenfolge der Spielplan-Teile und damit die Reihenfolge, in der die vier Minispiele zu bearbeiten sind, zufällig. Auch welche Ressource es in welchem Quadranten zu holen gibt, wird zu Spielbeginn zufällig bestimmt. Außerdem gibt es einen fortgeschrittenen Spielmodus, in dem man nicht die vier auf dem Spielertableau abgedruckten Gebäudeplättchen verwendet, sondern aus einem Pool von 32 Plättchen mit individuellen Fähigkeiten seine vier Plättchen zu Spielbeginn zusammendraftet. Aber auch ohne diese Variante bieten die vier Spielertableaus bereits asymmetrische Fähigkeiten. Zudem gibt es zwölf doppelseitige Einsätze für den Spielplan, welche die Felder in den vier Quadranten beeinflussen. Kleiner Dämpfer: Für jeden Spielplan-Quadranten und jede Spieleranzahl gibt es damit aber nur zwei unterschiedliche Seiten. Spieler mit etwas mehr Spielerfahrung können beliebige Kombinationen dieser beiden Seiten für die vier Quadranten wählen, wodurch die Variabilität dann doch wieder etwas erhöht wird.

Was bei Fromage aber letztlich immer gleich bleibt, sind die vier kleinen Minispiele der vier Spielplan-Quadranten. Wer sich also irgendwann einmal an Fromage sattgespielt haben sollte, der kann sich vielleicht mal Formaggio anschauen, das auf den ersten Blick genauso aussieht wie Fromage: ein Drehteller als vierteiliger Spielplan, es gibt dieselben vier Ressourcen und natürlich hat jeder Spieler seine drei Käser, die es clever einzusetzen gilt. Allerdings bieten die vier Quadranten des Spielplans vier komplett neue Puzzle bzw. Minispiele. Außerdem gibt es neue Fähigkeiten auf den Gebäudeplättchen und Platinum-Käse, der im Reifegrad die bisherigen drei Stufen Bronze, Silber und Gold schlägt. Formaggio ist eine Standalone-Erweiterung von Fromage, die allen gefallen wird, die auch Spaß an Fromage haben.

 


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