Froschreich

Froschreich

Genre: Kartenspiel • Set Collection
Autor: Tomáš Holek
Illustrator: Jiří Kůs
Spieleverlag: Pink Troubadour, MM-Spiele, Hutter
Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahre
Spieldauer: 30 Minuten

Froschreich   23.03.2026 von 2-PL4Y3R5

Jetzt mal ehrlich: Macht Tomáš Holek auch mal schlechte Spiele? Nur so zur Abwechslung? SETI, Galileo Galilei, Tea Garden – alle haben wir gespielt und für mega befunden. Im Gegensatz zu diesen Krachern ist Froschreich ein kleines Kartenspiel. Während uns Cover-Artwork, Thema oder Genre niemals gelockt hätten, hat der Autor es geschafft. Kann er auch kurzweilige Kartenspiele? Er kann! Hier verraten wir euch, warum wir Froschreich abfeiern und warum wir uns fortan jedes neue Spiel von Tomáš Holek zumindest genauer ansehen werden.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Öffnet man die Spieleschachtel, findet man drei separat eingeschweißte Kartenpacks. Froschreich besteht quasi nur aus Karten – was will man also groß am Material bewerten? Was positiv auffällt: Ein Wertungsblock liegt bei, der grafisch einiges hermacht und natürlich die Abrechnung am Spielende massiv erleichtert.

 

Schauen wir uns den Spielaufbau an. Es geht zunächst ans Kartensortieren! In der Tischmitte wird eine Leiste aus den fünf Nahrungskarten gebildet, und am Anfang der Leiste wird darüber die Springender Frosch-Karte platziert. Die fünf Nahrungskarten zeigen verschiedene Symbole: verschiedenfarbige Krabbel- und Flugtierchen, die üblicherweise in der Nähe von Teichen zu finden sind. Der springende Frosch bewegt sich im Spielverlauf im Kreis um diese Nahrungskarten herum. Damit fungiert er als Anzeiger dafür, wann welche Nahrung den Spielern zur Verfügung steht.

 

Alle Spieler nehmen sich ihre fünf eigenen Nahrungskarten mit denselben Symbolen. Diese werden in der gleichen Reihenfolge nebeneinander in den persönlichen Spielbereich gelegt. Im Spielverlauf entsteht ein Raster aus 5 x 3 Teichkarten, sodass sich am Spielende über jeder Nahrungskarte genau drei Teichkarten befinden werden.

 

Die insgesamt 120 Teichkarten werden nun gut gemischt und bilden einen verdeckten Nachziehstapel. Drei davon bilden eine offene Auslage, von der aus die Karten gedraftet werden. Über diesen drei Karten werden die drei Bewegungskarten platziert, und zwar in aufsteigender Folge von 0 bis 2. Je nachdem, welche Teichkarte man wählt, bewegt sich der springende Frosch um null, einen oder zwei Schritte auf seiner Leiste weiter.

 

Zuletzt zieht jeder Spieler drei Teichkarten vom Stapel auf die Hand. Die Wertungskarte wird für alle sichtbar bereitgelegt – und schon geht es los.

 

Das Spielziel

 

In Froschreich werden die Siegpunkte am Spielende zusammengezählt. Dabei kann man gänzlich unterschiedliche Strategien verfolgen, sollte aber nichts komplett vernachlässigen, um siegreich zu sein. Um zu verstehen, wofür es genau Siegpunkte gibt, müssen wir uns zunächst die verschiedenen Kartentypen anschauen, die man in den eigenen Teich – das 5x3-Raster – und unter die fünf eigenen Nahrungskarten spielt. Letztlich geht es darum, Karten mit maximalen Synergien zu draften, um Wertungsbedingungen zu erfüllen und die Siegpunkte zu maximieren. Und das ist keineswegs trivial.

 

Der Spielablauf

 

Froschreich wird über insgesamt 15 Runden gespielt, in denen die Spieler im Uhrzeigersinn ihre Züge ausführen. In jeder Runde draften die Spieler eine Teichkarte aus der Tischmitte und spielen eine Karte von der Hand aus, sodass am Spielende jeder sein 5x3-Raster komplett gefüllt hat.

 

Ist ein Spieler am Zug, erfolgt im ersten Schritt das Drafting. Es wird eine Karte aus der Auslage gewählt und auf die Hand genommen. Dann wird geprüft, ob der springende Frosch bewegt wird: Lag die gewählte Karte unter einer Bewegungskarte mit dem Wert 1 oder 2, zieht der Frosch entsprechend viele Schritte im Uhrzeigersinn um die zentralen Nahrungskarten. Konsequenzen hat das in diesem Moment noch nicht. Zuletzt wird die Auslage vom Stapel aufgefüllt.

 

Im zweiten Schritt „Karte spielen“ wird eine Karte von der Hand ins eigene Raster ausgespielt. Hierbei hat man die freie Wahl: Es gibt keine Legeregeln, man darf die Karte überall platzieren, sie danach aber nicht mehr verschieben. Jede Karte hat eine Vorder- und eine Rückseite, wobei man sich beim Ausspielen frei entscheidet, welche Seite sichtbar oben liegt. Die Rückseite zeigt immer eine Wasseroberfläche – diese Wasserkarten gewähren Soforteffekte (unten rechts auf einem grünen Blatt), zeigen Nahrungssymbole (oben links) und haben aufgedruckte Siegpunkte. Praktischerweise zeigen auch die Vorderseiten oben rechts an, welche Effekte und Symbole sich auf der Rückseite befinden, auch wenn diese für die Vorderseite keine Bedeutung haben.

 

Die Vorderseite einer Teichkarte zeigt entweder einen Frosch oder einen Lebensraum. Froschkarten zeigen oben links ebenfalls Nahrungssymbole, haben aber keine Soforteffekte. Stattdessen bringen sie am Spielende Siegpunkte, wenn ihre spezifische Bedingung erfüllt ist. Die acht verschiedenen Froscharten stellen unterschiedliche Anforderungen an Anzahl, Position oder Eigenschaften anderer Karten im Raster. Je mehr Karten desselben Typs man sammelt, desto höher fällt die Belohnung aus, unter Voraussetzung, dass die Bedingung erfüllt wurde. Ein Sonderfall ist der Wüstenregenfrosch: Jede dieser Karten bringt einzigartige Wertungen oder Soforteffekte mit sich.

 

Lebensraumkarten wiederum haben kein Nahrungssymbol, sondern zeigen oben links ein grünes Blatt. Wie Wasserkarten bieten sie einen Soforteffekt und werden oft von Fröschen als Bedingung für deren Wertung verlangt. Zudem bringen möglichst viele verschiedene Lebensräume im Raster am Ende Extrapunkte. Insgesamt gibt es fünf verschiedene.

 

Im dritten Schritt werden die Soforteffekte der gerade gespielten Karte abgehandelt. Es gibt zwei Arten: Entweder darf man eins bis drei Karten direkt vom Nachziehstapel ziehen oder die Aktion des springenden Frosches ausführen. Dabei bewegt man den Frosch um die angegebene Schrittzahl entlang der zentralen Leiste. Der Frosch grenzt danach immer an zwei Nahrungskarten an. Nun darf man Handkarten unter die beiden eigenen Nahrungskarten schieben, die dieselben Symbole zeigen wie die Karten, bei denen der Frosch gerade steht. Dies ist eine lukrative Punktequelle: Die Anzahl der untergeschobenen Karten wird am Ende mit der Anzahl der passenden Nahrungssymbole im eigenen Raster multipliziert.

 

Haben alle Spieler ihre 15 Karten platziert, endet die Partie mit der Wertung. Mit Wertungsblock und Stift geht man alle Kategorien durch: Für jeden der acht Froschtypen gibt es Punkte basierend auf der Menge der gesammelten Karten – allerdings nur, wenn die jeweilige Bedingung erfüllt ist. So verlangt der Tomatenfrosch etwa vier Wasserkarten im Teich, während der Indische Ochsenfrosch benachbart zu Lebensraum-, Wasser- und Froschkarten liegen möchte. Hinzu kommen die Punkte für verschiedene Lebensräume, die Summe der Werte auf den Wasserkarten und schließlich die Multiplikation der Nahrungssymbole mit den untergeschobenen Karten. Wer hat am Ende den besten Teich erschaffen?

 

 

Bildergalerie von Froschreich (12 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 120 Teichkarten (davon: 95 Froschkarten, 25 Lebensraumkarten)
  • 20 Nahrungskarten (5 pro Spieler)
  • 5 springender Frosch Nahrungskarten
  • 1 springender Frosch Karte
  • 3 Bewegungskarten
  • 1 Wertungskarte
  • 6 Solo-Karten
  • 1 Wertungsblock
  • 1 Regel


Cover & Bilder © Cover: Hutter Trade GmbH + Co KG / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: Der Kernmechanismus in Froschreich ist Set-Collection – eine Mechanik, die irgendwie immer funktioniert. Man braucht die richtige Kombination an Karten, um zu gewinnen, und die Glückshormone, die freigesetzt werden, wenn das gelingt, sind unbeschreiblich. Auch der Anspruch von Froschreich hat uns richtig viel Spaß gemacht: Es spielt sich lockerer vor sich hin als ein ausgedehntes, komplexes Strategiespiel, ist aber keineswegs so trivial wie die meisten einfachen Kartenspiele da draußen. Damit erreicht Froschreich bei uns eine echte Wohlfühlzone, denn die Set-Collection geschieht auf so vielen verschiedenen Ebenen, die alle untereinander ausbalanciert werden wollen.

Thematisch ist Froschreich zudem absolut stimmig. Das Artwork ist wirklich gelungen und die im Spielverlauf wachsende Tischpräsenz sehr schön anzusehen – gerade für ein kleines Kartenspiel, von dem man so etwas gar nicht unbedingt erwarten würde. Man glaubt am Ende wirklich, einen eigenen kleinen Teich mit Wasser, Lebensraum, Nahrung und eben Fröschen zum Leben erweckt zu haben.

 

Balancing/Glücksfaktor: Froschreich ist ein Kartenspiel mit vielen Karten – dennoch hält sich das Glücksmoment in einem angenehmen Rahmen. Das liegt zum einen daran, dass die Karten „Multi-Use“ sind: Man kann sie entweder für ihre Vorder- oder Rückseite nutzen oder sie alternativ unter Nahrungskarten schieben. Zudem erfüllen sie verschiedene Funktionen, von Wertungsbedingungen über Sofortboni bis hin zu Symbolen. Es wird nie alles perfekt zur eigenen Strategie passen, aber irgendetwas davon lässt sich mit Sicherheit gewinnbringend einbauen.

Froschreich spielt sich insgesamt eher taktisch und ermöglicht verschiedene Strategien, die alle zum Sieg führen können. Ein Beispiel: Man wählt eine Karte aus der Tischmitte nur deshalb, weil sie unter einer Bewegungskarte liegt, die den springenden Frosch an die richtige Stelle befördert. So kann man im Anschluss Karten unter eine passende Nahrungskarte schieben, selbst wenn man die Teichkarte an sich weniger gut gebrauchen könnte als eine andere. Wenn man dabei gleichzeitig noch dafür sorgt, dass der Frosch an einem Symbol vorbeizieht, das ein Gegner gerade dringend sammelt – umso besser.

Besonders gut gefallen hat uns diese Art der Set-Collection bei den Nahrungskarten. Am Spielende wird die Anzahl der Karten, die man unter eine bestimmte Nahrungskarte geschoben hat, mit der Anzahl der passenden Symbole im eigenen Raster multipliziert. Das Ergebnis gibt es als Siegpunkte. Ein netter Nebeneffekt dieses Mechanismus: Man kann auch getrost Teichkarten nehmen, die eigentlich nicht ins Raster passen, da man sie durch das Unterschieben anderweitig verwerten kann.

 

Komplexität/Regeln: Die Regel im DIN-A6-Format hat insgesamt 12 Seiten und ist sehr schön gegliedert. Etwa die Hälfte des Platzes nehmen blau hinterlegte Beispiele ein. Das Regelheft erklärt zudem übersichtlich die Wertungen aller Froschkarten sowie die Bedeutung sämtlicher Symbole. Ein ausführliches Beispiel zur Endwertung lässt keine Fragen offen.

Wie schätzen wir die Komplexität von Froschreich ein? Durch die vielen taktischen Möglichkeiten, Siegpunkte zu generieren, ist das Spiel keineswegs trivial. Welche Karte man nimmt, hängt nicht nur von der Auswahl an sich, sondern auch von deren Position ab – und davon, ob sich der springende Frosch vorteilhaft oder nachteilig für die eigene Situation bewegt. Die Karten selbst können aus verschiedenen Gründen interessant sein: wegen des Soforteffekts, der Nahrungssymbole, der Wertung bereits gespielter Teichkarten, der eigenen Wertungsbedingung oder für die Set-Collection gleichartiger Frösche beziehungsweise verschiedenartiger Lebensräume.

Wie gesagt: keinesfalls trivial. Daher würden wir es als gehobenes Familienspiel einordnen. Dennoch ist es regeltechnisch für jedermann leicht zugänglich.

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Direkte Interaktion gibt es keine: Was in deinem Teich passiert, bleibt in deinem Teich. Am spürbarsten ist die Interaktion dadurch, dass die Spieler abwechselnd Karten aus der Auslage wählen und sich diese somit relativ schnell verändert. Zudem entscheidet die Wahl einer Karte darüber, wie weit sich der springende Frosch bewegt – und ob er sich vielleicht perfekt positioniert, sodass man im eigenen Zug Karten unter die passende Nahrungskarte schieben kann oder eben knapp daran vorbeizieht und eine weitere Runde warten muss, bis es wieder so weit ist.

Welche Auswirkungen hat das darauf, wie gut Froschreich mit verschiedenen Spielerzahlen funktioniert? Nun, zu viert ist es eher Glückssache, ob der springende Frosch gerade passend steht oder nicht; zu zweit hat man hingegen wesentlich mehr Einfluss. Auf der anderen Seite ändert sich bei zwei Personen die Auslage nur sehr langsam. Für uns eine ganz klare Sache: Der Sweet Spot liegt bei drei Spielern.

 

Spieldauer: Auf der Spielschachtel stehen 30 Minuten. Eine knallharte Ansage, wie wir finden, denn die Spieldauer variiert deutlich mit der Spieleranzahl. In Froschreich führen alle Spieler insgesamt 15 Spielzüge aus, bis jeder ein Raster aus 5x3 Teichkarten vor sich liegen hat. Ein Spielzug ist theoretisch zwar schnell erledigt, aber es gibt einfach sehr viele Optionen. Man hat zwar nur drei Karten auf der Hand, aber die Fragen häufen sich: Spiele ich sie mit der Vorder- oder Rückseite? An welche Position meines Rasters? Was bringt mir jetzt mehr – der Soforteffekt der einen Karte oder doch erst einmal die Wertung optimieren und schauen, ob ich so klarkomme?

Froschreich hat definitiv Grübelpotenzial, und das gleich zweimal während des Zuges: beim Ziehen einer von drei Karten aus der Auslage und beim Ausspielen einer der Handkarten. Unsere Erstpartie zu dritt hat etwas über eine Stunde gedauert, aber es wurde dabei nie langweilig.

 

Wiederspielbarkeit: Der Wiederspielwert ergibt sich vor allem aus der zufälligen Reihenfolge, in der die Karten in der Auslage landen, wodurch jede Partie eine einzigartige Signatur bekommt. Man mag meinen: „Es gibt ja nur acht verschiedene Frösche.“ Aber jede Froschkarte desselben Typs kann andere Symbole und Symbolkombinationen aufweisen. Meist versucht man, ein bis zwei Symbole zu sammeln und sich auf zwei bis drei Froscharten zu konzentrieren. Je nachdem, welche Karten zu welchem Zeitpunkt in der Auslage erscheinen und für welche Strategie man sich in den ersten Zügen entscheidet, verläuft das Spiel jedes Mal anders.

Das sorgt für reichlich Abwechslung und reicht völlig aus, um über zahlreiche Partien hinweg Freude an Froschreich zu haben. Zu guter Letzt ist noch zu erwähnen: Einen Solo-Modus gibt es ebenfalls. Hier kann man seine Leistung anhand einer Erfolgstabelle bewerten lassen. Schaffst du es zum  Froschkönig?


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